Von der Therapie zum BewusstSein

Artikel PRISMA 2004

  Von der Therapie zum Bewusstsein


Sei HIER, Sei JETZT, Sei ALLES.

Rumi


Erwachen geschieht derzeit mit rasanter Geschwindigkeit in allen Teilen der Erde. Und die Erleuchtung passiert nicht nur einigen Auserwählten. Der Prozess des Erwachens scheint ganz einfach geworden zu sein und sich wie von selbst auf der Erde zu entfalten und auszubreiten. Auch Menschen, die nie etwas mit Spiritualität oder Esoterik am Hut hatten, werden von der Gnade „wachgeküsst“ und erkennen in einer plötzlichen Erfahrung, dass sie vollkommenes, verwirklichtes SEIN sind, ohne Anfang, ohne Ende, ohne Geburt und ohne Tod. Der Tropfen kehrt in den Ozean zurück. Er erkennt, dass er niemals vom Ozean getrennt war. Das war die Täuschung, Maya.


Ist dies der Beginn des so genannten Wassermann-Zeitalters? Die Offenbarung Gottes auf Erden? Ist das auch gleichzeitig das Ende von Therapie, Psychoanalyse, Psychotherapie, das Ende von Psycho...?


Warum drängt sich diese Frage auf? Nun, im Erwachen offenbart sich, dass das, was wir in Wahrheit sind, bereits vollkommenes göttliches SEIN ist. Die Gedanken, die wir denken, sind einfach nur Gedanken, die kommen und gehen. Gedanken lösen Wünsche, Begierden, Ängste, Wut, also Emotionen aller Art aus. Das, was unsere wahre Natur ist, ist jenseits der Gedanken, jenseits der Emotionen. Unsere wahre Natur ist Vollkommenheit. Durch Erziehung, Gesellschaft, Kirche werden Gedanken erzeugt, die immer irgendetwas finden, das nicht in Ordnung ist. Gedanken erzeugen Begierden und bei Nichterfüllung der Begierden ein Gefühl von Mangel. Mangel an Zuwendung, Liebe, Verständnis, Geld, Freunden, Partnern, Erfolg, Job usw. Die Begierden sind endlos und damit auch die Palette der daraus folgenden Emotionen und des selbst geschaffenen Leids.

Der Irrtum von Therapie und Esoterik


Der Fortschritt der letzten 40 Jahre lag im Aufbruch in Psychoanalyse, Therapie und dem Erblühen von schier endlos neuen Therapieformen. Menschen, deren Bewusstsein offen war und die nach Wachstum strebten, machten Therapie. Therapie wurde gesellschaftsfähig, und es entstand ein Boom von allen nur erdenklichen Selbsterfahrungsgruppen und Workshops. Fast parallel dazu entwickelte sich eine Esoterikszene, die über die Standardisierungen, Typologisierungen und Schematisierungen der Psychotherapie hinausging und andere Welten entdeckte.


Eine grundlegende Illusion treffen wir aber sowohl in der Therapie als auch in der Esoterik: Es gibt Trennung, Blockaden, die beseitigt werden müssen, entweder mit Psychotherapie und Co. oder mit allen möglichen esoterischen Hilfsmitteln, vom magischen Amulett über Wundersteine und Zauberstäbe bis hin zur Pyramide, die man sich auf sein Kronenchakra setzen kann. Oder man geht von einem Wahrsager oder Hellseher zum nächsten in der Hoffnung, dass er die erlösenden Worte spricht, dass endlich der Traumpartner, Traumjob, Traumerfolg kommt oder man die supergoldene Aura mit harmonisch schwingenden Chakras in den reinsten Farben bekommt. Der neueste Hit sind jetzt die Schamanen, die andere Wirklichkeiten und Superwelten versprechen, mit Krafttieren und Kraftgeistern, um der Kraftlosigkeit des eigenen Lebens zu entkommen.


Dieses nach außen verlagerte Suchen bringt Abwechslung, neue Eindrücke, ja, vielleicht sogar so etwas wie Wachstum. Vor allem jedoch lässt es uns die Leere nicht spüren. Alles Suchen ist jedoch in Wahrheit die Suche Gottes nach sich selbst, die Suche des Menschen nach Gott – was ein und dasselbe ist. Suchen ist der Motor des Lebens selbst. Gott ist nur durch die Hinwendung des Bewusstseins nach innen zu finden, dort hält er sich verborgen. Gott IST schon, er ist schon im Körper verwirklicht. Doch er ist nicht die Gedanken, diese Gedanken, die immer eine Geschichte erzählen, wie: Es ginge mir besser, wenn ... meine Kindheit anders gewesen wäre, mein Partner liebevoller wäre, ich nicht allein wäre, ich Erfolg, Geld, einen perfekten Körper hätte usw. Ist ja klar, was der Therapeut dazu sagt: Du hast Blockaden, lass uns deine Geschichte anschauen, dafür brauchen wir aber mindestens zwei Jahre. Aufwühlen der Vergangenheit. Hatte man vorher keine Probleme mit den Eltern, spätestens jetzt bekommt man sie. Endlich kommt man an die Wut ran – super, lass sie raus!


Wohin soll ein Therapeut, der nicht erwacht ist, führen? Er kennt doch seine wahre Natur selbst nicht. Gedanken, Gedankenkonzepte – also das, was wir nicht sind – sprechen mit dem, was wir nicht sind. Es wird das therapiert, was wir gar nicht sind! Ist das nicht absurd?
Der Esoteriker nimmt Kontakt auf mit den Plejaden, oder nein, Sirius ist jetzt wohl gerade in, und erhält die Antwort, dass die Blockade wohl aus einem Leben in Lemurien oder Atlantis stammt. Oder man hat so viele Probleme hier, weil man vorher auf der Venus gelebt hat. Vielleicht ist das so. Ja und? Erlange ich dadurch wirkliche Befreiung, erfahre ich dadurch meine wahre Natur? Oder päpple ich dadurch nur ein Superego von „Mr. oder Mrs. Very Special“ auf? Niemand ist besonders, niemand. Auch die Zeit der Gurus ist vorbei. Ein Guru ist das, was du und ich sind: das Nichts, die Leere, die alles Leben und alle Potenziale enthält. Der einzige Unterschied ist, ein Guru weiß es und du noch nicht.



An der Schwelle zu einem neuen Bewusstsein


Kollektiv gesehen war die Bewegung „Therapie“ ein großes Geschenk für die Menschheit. Dadurch wurde ein Boden dafür geschaffen, Gefühle und Emotionen zu fühlen, was in den beiden Kriegsgenerationen noch nicht der Fall war. Doch nun stehen wir an der Schwelle zu einer „Neuen Zeit“, zu einem neuen Spiel innerhalb des menschlichen Bewusstseins: das Hervortreten des wahren Menschen, Gott verwirklicht im Körper, verwirklicht in der Materie.


Ich sehe in jedem Menschen Gott, Vollkommenheit. In jeder Situation, in der wir scheinbar feststecken, begegnen wir Gott. Gott und das Leben und das Erfahren von Leben sind nichts Getrenntes. Gott erfährt sich auf seine ganz einzigartige Weise durch den Körper eines Menschen. Deshalb findet das Spiel hier statt. Was Menschen bis jetzt daran hindert, ihr Selbst zu erkennen, sind nur der Gedankenstrom und die daraus entstehenden Stories, die ein falsches Ich-Gefühl und damit Leiden erzeugen.


Um das Leiden aufzugeben und in die Freiheit zu erwachen, ist Unterstützung hilfreich. Unterstützung wie durch eine Hebamme, damit die Vollkommenheit hervorkommen und erkannt werden kann, die wir schon sind. Therapie geht immer davon aus, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist, sie findet immer ein Haar in der Suppe. Wir brauchen keine Therapie, um DAS zu sein, denn wir sind ES schon. Wir brauchen keine esoterischen Hilfsmittel, Engel oder Krafttiere, um DAS zu sein, wir brauchen keine spirituellen Praktiken oder Enthaltsamkeit, um DAS zu sein. Die Zeit ist reif für die neuen Geburtshelfer, für Menschen, die entleeren (entlehren) von allen Konzepten, die die Geburt des verwirklichten Menschen auf Erden unterstützen.


Du Bist schon Hier, Du Bist schon Jetzt, Du Bist schon Alles. Vollkommenheit IST schon. Nichts muss in der Gegenwärtigkeit dieser Vollkommenheit erreicht oder verändert werden. Das Paradies ist schon Hier und Jetzt. Es ist so nah und immerwährend anwesend, dass wir es leicht übersehen. In der Einfachheit des Erwachens taucht die Frage auf: „Wie konnte ich ES jemals übersehen?“

 


Die Autorin:
Angelika Maria Häbel erwachte in ihre wahre Natur. Seither unterstützt sie  Menschen in Einzelsitzungen mit "Erleuchtenden Gesprächen"