Meditation Essenz des Yoga

Der Geist ist ein permanent Gedanken erzeugendes inneres Instrument. Fortlaufend entstehen unterschiedlich Arten von Gedanken im Bewusstsein. Der Geist ist permanent in Bewegung. Das ist seine fundamentale Natur. 

 

Wenn wir versuchen, das Denken zu unterbinden, um innere Stille im Geist bewusst herzustellen, dann wird sich vielleicht die Gehirnaktivität etwas beruhigen, vielleicht für einige Sekunden, vielleicht sogar für einige Minuten, doch nach einiger Zeit wird diese Aktivität wieder mit Höchstgeschwindigkeit einsetzen.

 

 

Diese Gehirnaktivität mit ihren Gedankeninhalten wird automatisch an jede Zelle des Körpers blitzschnell weitergegeben. Wenn der Geist unruhig ist, dann kommunizieren die Botenstoffe des Körpers diese Unruhe an die Zellen, die Gewebe, die Organe, die Drüsen. Wenn es uns durch Meditation gelingt, den Geist zu beruhigen, dann hat dies unmittelbar ein Gefühl von innerer Harmonie und Frieden zur Folge. Diese Qualitäten von Frieden und Harmonie werden dann an jede Zelle des Körpers geschickt, und der gesamte Körper mit all seinen Organen und zahlreichen Funktionen entspannt zutiefst und es entsteht auf allen Ebenen ein Gefühl von innerem Wohlbefinden. 

 

Meditation ist die essenzielle Praxis im Yoga. Im Yoga Sutra von Patanjali heißt es:

  

Yoga Citta Vritti Nirodhah

 

Yoga ist das Zur Ruhe kommen der Gedanken im Bewusstsein

 

 Um die wirkliche, essenzielle Wirkung von Yoga zu erfahren ist es erforderlich, die Fähigkeit zu erlangen, die mentale Unruhe zu meistern.

 

Was ist ein Gedanke?

 

Ein Gedanke ist ein Informationsbündel. Information plus Energie. Ein spezifischer Gedanke sendet eine ganz spezifische Information mit einer ganz spezifischen Energie aus. Im Bewusstsein verbinden sich Gedanken miteinander und bilden Gedankenketten, die dann eine ganz spezifische Information und eine ganz spezifische Energie aussenden:

 

 Ich schaffe das nie                                            enthält eine Energiequalität von Lähmung, von Angst, Selbstabwertung, Abwehr

  

Ich schaffe alles, was ich mir vornehme       enthält eine Energiequalität von vorwärts gerichteter Kraft, Dynamik, Selbstakzeptanz,  

                        Vertrauen

 

Im Yoga können wir Gedanken ganz allgemein unterteilen in Wünsche und Erinnerungen. Wenn der Geist aktiv ist, dann denkt er entweder an etwas, das bereits geschehen ist oder er denkt an etwas, das in der Zukunft geschehen soll. 

 

Erinnerungen nennen wir im Yoga Samskaras. Wünsche nennen wir im Yoga Vasanas. Die Bewegungen des Geistes nennen wir Vrittis.

 

Eindrücke Samskaras führen zu Wünschen Vasanas. Wenn wir zum Beispiel ein Werbeplakat oder Werbung im Fernsehen sehen, dann entstehen optische und beim Fernsehen auch akustische Eindrücke. Oder wir gehen im Supermarkt einkaufen. Es entstehen optische Eindrücke.

 

Und diese Eindrücke führen dazu, dass möglicherweise Wünsche entstehen, das angebotene Produkt unbedingt haben zu müssen. Vielleicht kennst du das, dass du viel mehr eingekauft hast, als du eigentlich wolltest.  

 

Die Handlung, die aus dem Wunsch entsteht, nennen wir im Yoga Karma. Der endlose Kreislauf von Eindrücken Samskaras mit dem Erzeugen von Wünschen Vasanas erzeugt immer neue Handlungen. Die Handlungen wiederum führen zu neuen Eindrücken, daraus folgen neue Wünsche, daraus folgen Taten, und so entsteht ein ewiger Kreislauf, der den Geist permanent mit neuen Informationen füttert und den Geist in ständiger Aktivität hält.

 

Die Software der Seele

 

Der Kreislauf von Samskaras, Vasanas und Karma ist die Software der Seele. Diese Software bringen wir bei unserer Inkarnation mit, durch permanente Eindrücke wird unsere Software mit immer mehr Daten gefüttert. Und diese Software bestimmt alles, was auch immer wir in diesem Leben denken, fühlen, tun. Unbewusste Reaktionsweisen, unbewusste Verhaltensmuster, ein Roboter-artiges durch das Leben getrieben werden.  Bis zum Tod. So sind unsere Gedanken nicht wirklich unsere Gedanken. Sie sind einfach nur ein „Ausspielen von Informationen“ vergleichbar mit einer CD, auf der bestimmte Informationen gespeichert sind, die nacheinander abgespielt werden. Das ist eine rein mechanische Angelegenheit, und das ist der Grund, warum wir Menschen nicht wirklich frei sind. Das Ziel von Yoga ist Freiheit.

 

 

Den Kreislauf durchbrechen

 

Meditation ist eine Methode, diesen Kreislauf immer wieder zu unterbrechen. So lange, bis Meditation zu einem ganz natürlichen Seinszustand wird bei allem was wir im Leben tun. Wir ruhe dann sprichwörtlich in uns selbst, im Selbst. Nicht in den Gedankenbewegungen.

 

 

Meditationsformen

 

Es gibt zahlreiche Meditationsformen im Yoga. Für den Anfänger ist es wichtig, Konzentrationskraft zu entwickeln und die Aufmerksamkeit bewusst zu fokussieren.  Wir lenken die Aufmerksamkeit auf ein sogenanntes Meditationsobjekt. Das kann zum Beispiel die Beobachtung des Ein- und Ausatmens sein,  das kann auch die bewusste Wahrnehmung eines bestimmten Körperteils sein, das kann auch für den Anfänger das Hören von Musik oder Naturgeräuschen sein. Es kann auch meditativer Tanz sein, wie z.B. Osho’s Bewegungsmeditationen Nataraj-Meditation oder Kundalini-Meditation. 

 

Glückseligkeiits-Bewusstsein

 

Während die Aufmerksamkeit bewusst fokussiert wird, entstehen „Lücken“ zwischen den einzelnen Gedanken, es entstehen „Freiräume“ in denen kein Gedanke auftaucht. Diese Freiräume und Lücken sind das zu Beginn noch kurze  Erhaschen der unbegrenzten Bewusstseinsebene unseres wahren Selbst.  Das ist der grenzenlose Raum unbegrenzter Möglichkeiten, reiner Intelligenz, unbegrenzter Schöpferkraft, reinen Friedens, reiner Liebe. Im Yoga sagen wir Sat-Chit-Ananda. Intelligenz-Bewusstsein-Glückseligkeit. 

 

Je öfter wir mit unserer Wahrnehmung dieses unbegrenzte Bewusstseinsfeld, das die Quelle unseres wahren Ich ist, betreten, desto mehr erweitert sich unser Bewusstsein. Es beginnt ein Prozess des Durchbrechens gewohnheitsmäßiger Denkschienen und alter Konditionierungen. Daraus entsteht ein Zugang zum Energiefeld neuer Wahlmöglichkeiten, die vorher nicht da waren. Die Verbindung zu unserer Seele, welche grenzenloses Bewusstsein, wird immer stärker. Wünsche werden weniger, wir sind nicht mehr so verführbar, weil ein neues Bewusstsein dafür entsteht, was die Seele wirklich will und nicht, was die Gedanken wollen.

 

Und diese Seelenqualität, die immer stärker in unser Leben fließt, gibt unserem Leben eine Richtung, die mit neuem Sinn gefüllt wird. Es entsteht ein innerer Wechsel weg von Wünschen hin zu Visionen. Und wenn wir unsere Visionen beginnen zu leben, wenn wir nur noch das tun, was wir aus unserer Seele heraus lieben, dann sind Erfüllung und Freude ganz natürliche Nebenprodukte.